Lesotho - Offroad-Fahren pur oder - es gibt nicht nur Schnee am Kilimandscharo

Lesotho - unbeschreiblich schön. Hier finden wir alles, was uns so gefällt. Schon die Fahrt zum Grenzübergang auf dem Sani-Pass ist ein Highlight unserer Reise. Endlich mal wieder ein wenig Nervenkitzel, enge Kurven und Schotter. Am Fusse des Passes auf südafrikanischer Seite wird darauf hingewiesen, dass nur 4x4 Fahrzeuge die Strecke fahren dürfen. Zwar wird unser Vergnügen durch unsere kaputten Stossdämpfer etwas getrübt, aber die Strecke ist so grandios, dass wir die einfach fahren müssen:

m_IMG_0548auf dem Weg zum Sani-Pass nach Lesotho

m_IMG_0557 Grenzstation Lesotho

Die Zollformalitäten sind relativ schnell erledigt. wir haben lediglich ein paar Diskussionen mit dem Zöllner, der unbedingt wissen möchte, wie hoch die Rechnung unseres letzten Supermarktbesuchs in Südafrika war und meint dann, wir müssten darauf 14% Steuer bezahlen. Das sei in Lesotho so üblich. Ich kann mich natürlich nicht mehr an meinen letzten Einkauf in Südafrika erinnern und erzähle ihm, dass wir immer nur ganz wenig Lebensmittel einkaufen und natürlich auch in Lesotho einkaufen wollen. Irgendwann gibt er sich zufrieden und alles ist gut.

Wir übernachten direkt auf dem Campingplatz der Sani-Lodge beim höchsten Pub Afrka’s und trinken dort natürlich zur Begrüssung ein einheimisches Maluti-Bier. Wir lachen über die Ski an der Wand der Hütte, die so alpenländisch anmutet, dass wir das Gefühl haben, wir sind in den österreichischen Bergen gelandet. Wären da nicht die anderen Rundhütten und die Menschen drum herum... Dass die Ski an der Wand gar nicht so abwegig sind, sollen wir nur ein paar Stunden später erfahren.

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Wir machen uns nach einem netten Abend mit einem irischen 70-jährigen Backpacker und einem gemütlichen Frühstück am nächsten Morgen auf den Weg. Einen genauen Plan haben wir wieder nicht, wir entscheiden uns einfach zunächst für den nördlichen Bogen. So wie es am Vortag den Pass hoch ging, geht es hier auch wieder herunter. Der rechte vordere Stoßdämpfer knackt bei jedem Steinbrocken über den wir fahren, aber wir schaffen es. Unterwegs tauchen immer wieder aus dem Nichts Schaf- und Rinderhirten auf, die mit ihren Tieren in den Bergen unterwegs sind. Eingehüllt in ihre typischen Wolldecken und mit Mützen auf dem Kopf, die fast das gesamte Gesicht bedecken, sind sie oft erst im letzten Moment zu erkennen.

m_IMG_8592Cowboys auf dem Sani-Pass

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Wir sind fasziniert von den Menschen hier. Zurückhaltend aber dennoch immer freundlich grüssend, strahlen sie eine innere Ruhe und Zufriedenheit aus, wie wir das bisher selten erlebt haben. Ein paar Hirten fragen uns nach Essen oder Wasser, das wir ihnen gerne geben, da es hier in diesen Bergen wirklich nichts gibt. Dörfer findet man oft erst nach vielen Kilometern Fahrt und auch dort ist es nicht sicher, ob man etwas einkaufen kann. Die Läden sind oft durch kleine Flaggen (eher Stofffetzen) vor der Tür erkennbar - die Farbe der Flagge zeigt, was es zu kaufen gibt: rot steht z.B. für Fleisch, gelb für Maisbier, grün für Gemüse.

m_IMG_0720dies ist die Ausnahme - hier gibt es alles....

m_IMG_0580auf dem Weg ins Tal

Im Tal angekommen, sehen wir dann entsetzt, dass die Chinesen auch hier schon wieder eifrig dabei sind, die schöne Schotterstraße platt zu machen. Nagelneue chinesische LKWs, Bagger, Sprenggeräte, Planierraupen und Bauhütten lassen das Schlimmste befürchten. Wir sind da wohl gerade noch rechtzeitig gekommen, um die Ursprünglichkeit der Strecke zu geniessen.

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hier wird gesprengt, planiert und geteert...

m_IMG_0594nagelneuer LKW aus China

Nach dem Schock suchen wir uns erst mal einen Stellplatz im nächsten Ort und geniessen die schöne Stimmung in den Bergen am Abend.

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Frühstückskonzert vorgetragen auf der Leciba - klingt gewöhnungsbedürftig....

Wir sind tags darauf auf dem Weg zu den Höhlenmalereien in der Nähe von Oxbow und haben schon fast unser Ziel erreicht, als vor uns plötzlich dieses Schild auftaucht:

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Wir fahren zunächst vorbei, weil wir das Schild erst gar nicht so richtig wahrnehmen. Als ich dann aber eindeutig eine Skipiste und eine Liftanlage sowie Chalets im Schweizer Look erkenne, drehen wir um und schauen uns das ganze etwas näher an. Die südafrikanische Managerin des Skiresorts empfängt uns persönlich und erzählt uns, dass die Südafrikaner im Winter auf dieses kleine Skiparadies total abfahren. Fotos an der Wand beweisen, dass es hier recht voll werden kann. Trotzdem können wir uns die schneebedeckte Landschaft hier in Afrika nicht so richtig vorstellen - wir ahnen hier noch nicht, was da noch so auf uns zukommt!!!

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Zunächst campieren wir jedoch bei den Höhlen und Felsmalereien von Liphofung und lassen uns von unserem Führer alles über das Leben der Höhlenmenschen damals erzählen. Die Malereien, so erzählt er uns, sind meistens im Trance-Zustand entstanden, was wir gut nachvollziehen können:

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Auf dem Weg zum Bokong Nature Reserve lachen wir nach dem Erlebnis im Skiresort nur noch über dieses Schild

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und witzeln herum, dass uns das zu unserem ganzen Wettertheater noch fehlt. Das Lachen wird zu einem regelrechten Lachanfall mit Gänsehaut - auf dem Pass geht der Regen, der uns seit ein paar Stunden wieder begleitet, doch tatsächlich in Schnee über. Unglaublich, oder??

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Der Katse-Staudamm ist ein riesiges Gemeinschaftsprojekt von Lesotho und Südafrika. Seit 1986 laufen die Planungen und Bauarbeiten zu diesem Mega-Projekt, das die Wasserversorgung der Provinz Gauteng (Johannesburg / Pretoria) in Südafrika sicherstellen soll. Ich bin froh, dass ich an diesem Abend am Katse-Staudamm bei 5 Grad Aussentemperatur die Tür vom Unimog zumachen kann und wir nach dem Genuss einer scharfen heissen Gemüsesuppe einen kuscheligen Abend am Gasherd haben! Soll uns noch einmal jemand erzählen, in Afrika sässe man die ganze Zeit draussen und schliefe am besten im Poptop, wo der Wind durchblasen kann...

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Von Katse aus fahren wir durch das Landesinnere über Thaba-Tseka bis nach Roma, wo wir auf dem Camping Platz des Trading Post Guesthouse übernachten. Dieses Gästehaus wird von der Familie Thorn betrieben, deren Vorfahren Ende des 18. Jahrhunderts nach Lesotho kamen. Erwähnenswert deshalb, weil es hier so gut wie keine Weissen gibt. Wir unternehmen einen kleinen Spaziergang zu den Dinosaurier-Fussabdrücken, die hier ganz in der Nähe sein sollen. Mithilfe von ein paar Kindern finden wir diese auch. Irgendwo am Berg, ohne Wegweiser, ohne Absperrung, ohne Eintrittsgebühr kann man hier frei auf diesen riesigen Spuren wandeln. An anderen Orten wäre da schon längst ein Dino-Vergnügungspark drum herum entstanden, hier sind die Spuren einfach da und die Einwohner scheinen sich über die wenigen Touristen zu amüsieren, die diese Spuren unbedingt sehen wollen.

m_IMG_8737 Dino-Spur im Fels

Nach einem Abstecher zum Semongkong Wasserfall, wo wir einen gemütlichen Nachmittag mit Picknick verbringen, bleiben wir 2 Tage im Trading Post Guesthouse in Ramabanta, das ebenfalls zum Thorn -Clan gehört. Tolle Lage und Stimmung, so richtig zum Dableiben und Relaxen. Leider haben wir nur 14 Tage Aufenthaltsgenehmigung für Lesotho bekommen, sodass wir uns sputen müssen, um die südliche Runde noch fahren zu können.

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Die Malealea-Lodge im Süden von Lesotho wird im Lonely Planet Reiseführer besonders empfohlen, u.a. für die schönen Reitausflüge, die man dort unternehmen kann. Die Lodgebesitzer arbeiten eng mit den einheimischen Dorfbewohnern zusammen - u.a. finden tägliche Chor- und Bandauftritte der Dorfbevölkerung statt und die Pferde für die Ausritte werden von der Dorfgemeinschaft angemietet.

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 Das Wetter ist schön und so entschliessen wir uns, am Nachmittag einen Ausritt zu Höhlenmalereien zu buchen. Jedoch - kurz vor Start verdunkelt sich der Himmel und ich frage den Stallmeister, ob wir den Ritt nicht lieber verschieben sollen. Er grinst mich nur an und fragt: ‘Angst vor dem Nass-werden’? Ich beisse natürlich die Zähne zusammen und verneine - ich Esel...

Wir reiten also los, Ben singt vergnügt ‘Hopp, hopp, hopp, Pferdchen im Galopp’. Ich schaue immer nur Richtung dunkler Himmel, wo es jetzt auch schon leise donnert. Aber bis zu den Höhlen schaffen wir es und kaum sind wir von der Besichtigung der schon etwas verblassten Malereien zurück, fängt es so richtig an zu blitzen und zu donnern. Wir führen unsere Pferde am Zügel zu Fuss den Berg zum nächsten Dorf hinauf, weil sie sich vor dem Gewitter fürchten. Ich verfluche den Stallmeister und noch mehr mich, dass wir überhaupt los geritten sind. In einer Rundhütte finden wir Unterschlupf und warten darauf, dass das Donnern aufhört.

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 Nach ca. einer halben Stunde tröpfelt es nur noch, der Himmel scheint heller zu werden und wir sitzen wieder auf. 10 Minuten später prasselt der Regen wieder auf uns nieder und die Blitze sind direkt über und neben uns. Einer der beiden Guides sucht uns einen Unterschlupf in einem Flussbett unter einem Erdüberhang. Wir hocken uns zusammen mit den beiden Guides unter Götzis Regenponcho und frieren erbärmlich, weil wir inzwischen klatschnass sind. Ben ist der einzige, der nicht jammert. Ich sitze am Rand des Ponchos und mir läuft das Wasser in Sturzbächen in den Ärmel. So nass war ich noch nie in meinem Leben. Irgendwann hat der Wettergott dann aber doch noch Erbarmen mit uns und wir schaffen es doch noch glücklich zurück zu unserer Lodge.

m_IMG_9078wir können wieder lachen...

m_IMG_9079 Ben mit Ultra-Regenschutz....

Eine heisse Dusche und das leckere Abendbuffet im Lodge-Restaurant wärmen uns wieder auf. Zusammen mit netten Leuten trinken wir noch ein paar Bierchen und schlafen die Nacht hervorragend.

Mit einem weiteren Zwischenstop am Mt. Moorosi kurz vor dem Grenzübergang Qacha’s Nek nehmen wir schweren Herzens Abschied von Lesotho mit seinen tollen Menschen und Bergen. Hierher werden wir jederzeit gerne zurückkommen!

m_IMG_9130Ben mit Spielkameraden am Mt. Moorosi

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